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Konzert-Rezension: 700 Years of Pop

Dienstag, 25. Februar 2003

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Harfenklänge in der Peterskirche

VON BARDEN UND BEATLES

Von Martha Harich

Bielefeld (WB) Was ist Popmusik? Jedenfalls nicht erst ein Phänomen des 20. Jahrhunderts, wie am Sonntag in einem Konzert mit Astrid Nielsch eindrücklich zu hören war. Die Berlinerin spielte auf Mittelalter- und Barockharfe populäre Musik aus sieben Jahrhunderten - Barockmusik wie auch Musicalhits, spanische Tänze des 17. Jahrhunderts wie Mittelalterliches. Ein Programm wie maßgeschneidert für die Peterskirche.

Was heute als E-Musik gilt, war dazumal U - das gilt insbesondere für die Harfe. Melodien, die die Spatzen von den Dächern pfiffen, fanden ihren Weg in die gedruckte Literatur für dieses Instrument. Andere Teile ihres Programms hat Astrid Nielsch dagegen selbst arrangiert: die Filmmusikstücke zum Beispiel, die sie mit barocken Arien oder Tänzen und improvisierten Überleitungen zu kleinen Medleys verwob. Erstaunlich, wie sich ein Song aus "Anatevka" und Motive aus der frühbarocken Sammlung “Luz y Norte” ähneln!

Ideale Akustik in der Peterskirche

Was allerdings die Harmonik angeht, überraschten die Barockstücke schon etwas mehr. Doch wer weiß? Das, was wir heute für besonders kunstvoll halten, war für den damaligen Zeitgenossen vielleicht nur eine geläufige musikalische Formel.

Einmal mehr erwies sich die wunderbar tragende Akustik der Peterskirche als ideal für ein eher leises Soloinstrument. Neben der warmtönigen Barockharfe spielte Astrid Nielsch zwischen den "Pottpourries" Weisen aus dem 12. und 14.Jahrhundert auf einer mittelalterlichen Harfe. Die ist nicht mal einen Meter hoch und hat einen leiseren, gleichwohl zugleich metallischen Klang. Wenn darauf ein französisches Liebeslied aus der Zeit von Richard Löwenherz erklingt oder ein englisches Stück, in dem Vogelstimmen imitiert werden, wähnt man sich in einer anderen Welt. In einem Kirchenraum zumal, dessen Ursprünge ins achte Jahrhundert zurückreichen, entfaltet Musik des Mittelalters mit ihrer ganz eigentümlichen Spannung einen ungeheuren Reiz.

Freilich bedarf es dafür einer Interpretin wie Astrid Nielsch, die in verzweigter Polyphonie, etwa bei einer Chaconne von Händel, jede Stimme gesanglich ausmusizierte bis (fast) ins Unhörbare. Die Spezialistin für historische Harfen und studierte Musikwissenschaftlerin bewies auch in ihrer Moderation eine leichte Hand. Kompetent, aber ohne Gelehrsamkeit nahm sie ihr Publikum mit auf einen Streifzug durch ein paar Jahrhunderte Musikgeschichte und vermittelte sehr viel Freude am Musikmachen und -entdecken. Zum Beispiel der des irischen Barden Turlough O'Carolan, der zur Zeit des Spätbarock eigenartig unberührt von der Entwicklung auf dem Kontinent eine Art hochkomplexe Folklore komponierte.

Das Auditorium in der vollbesetzten Kirche lauschte all dem mit wachsender Begeisterung und staunte nicht schlecht, als die Künstlerin als Zugabe einen vergessenen Beatles-Song (aus der Hamburger Zeit) präsentierte: "Cry for a shadow". Vielleicht wird das Lied ja in ihrer Harfenversion posthum ein Hit.


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last updated: 12 March, 2004