Asni: Harfen und Fantasie - über mich - Presse
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The Harp & Hobbit
Der originelle Titel Rent a Nightingale "Pourquoy, doux rossignol" löst beim Leser eine Reihe von Bildern im Kopf aus: Vogelimitationen auf der Blockflöte, bukolische Landschaften, melancholische Liebeslieder, mythologische Fabeln und derlei Sehnsuchtskost. Der Zuhörer bekommt all dies und noch mehr von den beiden fantasievollen Musikerinnen Gabriele Bultmann, Blockflöte und Astrid Nielsch, historische Harfe.
Das ausführliche Booklet gibt Informationen und Reflexionen der beiden Musikerinnen über ihre Instrumente und ihr Repertoire. Blockflöte und Harfe sind eine reizvolle Klangkombination, die man viel zu selten hört. Im Gegensatz zu den Lauteninstrumenten können Harfen ein differenzierteres und farbenreicheres Klangspektrum erzeugen. Durch den längeren Nachklang der Töne ergibt sich eine räumliche Tiefe, die den Hörer wie ein feiner fließender Stoff umhüllt. Astrid Nielsch, die auf dem Instrument und als Musikwissenschaftlterin gleichermaßen versiert ist, gibt im Booklet eine gute Einführung in die Welt der Harfen, von denen sie auf der vorliegenden Aufnahme vier verschiedene Instrumententypen spielt, die zwei oder drei Saitenreihen aufweisen.
Die Abfolge der Stücke bei Rent a Nightingale ist wie ein Konzertprogramm zusammengestellt, das sehr unterhaltend ist und bei mehrmaligem Hören noch dazugewinnt.
Die ältesten Kompositionen, wie das eindrückliche Frülingslied Veris dulcis in tempore, entstanden zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert und geben Beispiele weltlicher und geistlicher Monodien, die eigentlich mündlich überliefert und nur in Ausnahmefällen aufgeschrieben wurden. Die instrumentale Begleitung ist improvisiert und verbindet beim Duo Gaby Bultmann / Astrid Nielsch Stilkenntnis mit Spiel- und Experimentierfreude.
Natürlich sind auch viele Paradestücke für Blockflöte zu hören: angefangen bei Jacopo da Bolognas Aquil' Altera, Jacob van Eycks Doen Daphne, Sonata Terza von Giovanni Battista Fontana bis zur Sonate in C-Dur , BWV 1033, die wahrscheinlcih nicht von Johann Sebastian Bach stammt, aber dennoch hörenswert ist.
Für die meisten Hörer wahrscheinlich etwas Neues ist die Sonata La Clemente von Giovanni Antonio Pandolfi Mealli. Wie alle noch einsätzigen Sonaten um 1650 wirkt sie mit den zahlreichen Affekt- und Charakterwechseln wie ein Art "Minioper", zumal sie dem Kastraten Clementi gewidmet sein könnte, der zusammen mit Pandolfi in Innsbruck angestellt war.
Es ist keine Anzüglichkeit festzustellen, daß Gabriele Bultmann bei Pedro Memelsdorff in Bologna studiert hat, denn sie imitiert ihren Lehrer nicht. Vielmehr hat sie durch die Arbeit mit ihm ihren musikalischen Horizont erweitert und ein spielerisches Element hinzugefügt, das ihren Interpretationen Innigkeit und eine manchmal naive Glaubwürdigkeit verleiht. Alles Dinge, die zur ursprünglichen Klassifizierung der Blockflöte als einfaches Volksinstrument passen und doch in keinem Widerspruch zu Virtuosität und Raffinesse stehen.
Rent a Nightingale ist eine farbenreiche und inspirierende Einspielung, an der sowohl Blockflötisten als auch Nichtblockflötisten großen Gefallen finden.
© 2002, 2003, 2004 Asni
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last updated: 12 March, 2004